St. Martin - 2
Und die Moral von der Geschichte ? Als Erwachsener würde ich jetzt sagen, daß dies eine total überflüssige Veranstaltung war, ein Stück verkommener Folklore, bei dem die meisten Leute gar keinen Bezug zum Fest mehr haben. Als Erwachsener sehe ich die kleinen Pannen die passieren, rege mich über das Wetter und die verschwendete Zeit auf.
Wie töricht.
Ein Blick in das Gesicht meiner Tochter straft all meine Gedanken lügen. Ich sehe einen zweieinvierteljährigen und knapp einen Meter großen lebendig gewordenen Weckemann in einem rosa Schneeanzug, der alles, aber wirklich alles mit tellergroßen Augen begierig in sich aufnimmt. Dessen Nase den Geruch des Feuers, der Pechfackeln und des Pferdes riecht. Dessen Ohren die Musik, das Gemurmel, die Gesänge und Geräusche hören. Ein Menschlein, der Bilder des Feuers, der Menschen, der Fackeln, ja und auch der Feuerwehr und Polizeiautos in der Dunkelheit in sich aufnimmt. Immer an der Seite ihrer Mutter, und immer inmitten einer Gemeinschaft zu der sie gehört.
Auch wenn Emilia nicht versteht was dort passiert bzw. mit ihr passiert, so bin ich überzeugt, daß dies eine ihrer ersten spirituellen Erfahrungen war. Ein ganz wichtiger Baustein für ihren Lebensweg und für ihr Dasein als Christ.
Also, auch im nächsten Jahr werden wir wieder mitgehen, auch wenn ich mir ab und an ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Das Wetter kann aber schon besser sein.
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St. Martin - 1 | Peter Kaminski:
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